Studienfahrt nach Hadamar im Herbst 2018

Studienfahrt nach Hadamar im Herbst 2018

Ein Tagesbesuch der Gedenkstätte in Hadamar ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung an unserem Berufskolleg. Mit dem Bus haben sich vier Klassen auf den Weg nach Hessen gemacht, um zu ergründen, warum und auf welche Weise Menschen mit Behinderung oder psychischen Störungen in Deutschland während des „Dritten Reiches“ umgebracht worden sind. Vorab wurde im Unterricht das Thema „Euthanasie“ behandelt und die Exkursion zusätzlich von einem externen Dozenten, Herrn Hannes Cammans, inhaltlich gut vorbereitet.

Im Jahr 1940 ließen die Nationalsozialisten zentral von Berlin aus im gesamten Reichsgebiet Umbauten in mehreren Anstalten durchführen, um sie als Tötungsanstalten für die "T4-Aktion" einzusetzen. Eine Gaskammer, ein Sezierraum und zwei Verbrennungsöfen wurden installiert sowie eine Busgarage erbaut.

Graue Busse - aktuell als Denkmal in der Innenstadt künstlerisch nachgebildet (siehe Foto) - holten die Patientinnen und Patienten aus den "Zwischenanstalten" ab, in denen sie zunächst untergebracht waren. Nach der Ankunft in Hadamar mussten sie in der Busgarage aussteigen und wurden in das Hauptgebäude geführt. Dort hatten sie sich zu entkleiden und dem Arzt vorzustellen. Dieser erfand anhand der mitgeschickten Patientenakte eine angeblich natürliche Todesursache für die später auszustellende Sterbeurkunde. Anschließend wurden die Menschen von Schwestern und Pflegern in die im Keller gelegene Gaskammer geführt und dort getötet. Ihre Leichen wurden in den beiden Krematoriumsöfen verbrannt, oftmals 24 Stunden am Tag. Die Angehörigen erhielten einen so genannten "Trostbrief", der sie über das plötzliche Ableben informierte. Der angeblich krankheitsbedingte Tod wurde als Erlösung dargestellt. Von. Januar bis August 1941 starben so systematisch über 10.000 Opfer in der Hadamarer Heilanstalt.

Im Rahmen der "zweiten Mordphase" übernahm Hadamar erneut die Funktion einer Tötungsanstalt. Von August 1942 bis März 1945 starben fast 4.500 weitere Opfer. Wer nicht der gezielt eingesetzten Hungerkost oder der vorenthaltenen medizinischen Versorgung erlag, wurde durch überdosierte Medikamente umgebracht. Morgens entschieden Arzt, Oberschwester und Oberpfleger, welche Patientinnen und Patienten sterben sollten. Die Nachtschicht verabreichte dann den ausgewählten Opfern die tödlich wirkenden Medikamente. Ihre Leichen wurden auf dem eigens angelegten Anstaltsfriedhof in Massengräbern verscharrt. (Quelle: www.gedenkstaette-hadamar.de)

Eine anschauliche dreistündige Führung befasst sich heute intensiv mit den Taten der damaligen Zeit am Ort des Geschehens, für unsere Schülerinnen und Schüler eine beeindruckende, aber auch oftmals sehr bedrückende Erfahrung.